Automatisierung Tool Vergleich
Make oder Zapier? Die Wahl der richtigen Automatisierungsplattform entscheidet über Kosten, Flexibilität und Skalierbarkeit Ihrer Workflow-Automatisierung. Dieser Vergleich liefert keine Marketingfloskeln, sondern konkrete Zahlen, echte Funktionsunterschiede und eine klare Empfehlung — abhängig von Ihrem Anwendungsfall. Beide Plattformen sind leistungsfähig, aber für unterschiedliche Szenarien optimiert.
Überblick
Make (ehemals Integromat) und Zapier sind die beiden dominierenden No-Code-Automatisierungsplattformen auf dem Markt. Beide verbinden Apps, automatisieren Workflows und sparen Unternehmen hunderte Arbeitsstunden pro Jahr. Doch hinter der gemeinsamen Grundidee stecken grundlegend unterschiedliche Ansätze.
Zapier wurde 2011 in San Francisco gegründet und ist die bekannteste Automatisierungsplattform weltweit. Mit über 7.000 Integrationen und einer bewusst einfach gehaltenen Oberfläche richtet sich Zapier an Nutzer, die schnell und ohne technisches Vorwissen Workflows erstellen wollen. Die Philosophie: Ein Trigger löst eine Kette von Aktionen aus — linear, vorhersehbar, sofort einsatzbereit.
Make (bis 2022 als Integromat bekannt) wurde in Prag gegründet und verfolgt einen visuelleren, technisch tiefgreifenderen Ansatz. Mit einem Drag-and-Drop-Builder, der an Flussdiagramme erinnert, ermöglicht Make komplexe Verzweigungen, Schleifen, Fehlerbehandlung und Daten-Transformationen. Die Zielgruppe: Technisch versierte Teams, die maximale Kontrolle über ihre Automatisierungen benötigen.
Für Unternehmen im DACH-Raum kommt ein entscheidender Faktor hinzu: Datenschutz. Make hat seinen Hauptsitz in der EU und betreibt Server in Europa — ein handfester Vorteil bei der System-Integration unter DSGVO-Anforderungen. Doch beide Plattformen haben Stärken und Schwächen. Der folgende Vergleich macht sie transparent.
Make.com
Make positioniert sich als die leistungsfähigere der beiden Plattformen — und in vielen Bereichen stimmt das. Die Stärke liegt in der Tiefe der Automatisierungsmöglichkeiten: Wo Zapier lineare Ketten baut, konstruiert Make verzweigte, logisch komplexe Szenarien. Das erfordert etwas mehr Einarbeitung, zahlt sich aber bei anspruchsvollen Workflow-Automatisierungen aus.
Makes größte Stärke ist der visuelle Szenario-Editor. Workflows werden als Flussdiagramme dargestellt — mit Modulen, die per Drag-and-Drop verbunden werden. Sie sehen auf einen Blick, wo Daten hinfließen, wo Verzweigungen stattfinden und wo Fehler abgefangen werden. Das macht selbst Workflows mit 30+ Schritten überschaubar und wartbar. Für technische Teams ein entscheidender Vorteil gegenüber Zapiers linearer Listenansicht.
Make unterstützt nativ Router (Verzweigungen), Iterator (Schleifen über Datensätze), Aggregatoren und Filter. Ein einzelner Workflow kann mehrere parallele Pfade verfolgen, bedingte Logik anwenden und über Arrays iterieren. Beispiel: Eine eingehende Bestellung wird gleichzeitig an ERP, Lagerverwaltung und Kundenkommunikation weitergeleitet — mit unterschiedlicher Logik pro Pfad. Bei Zapier erfordert dasselbe Szenario mehrere separate Zaps.
Make bietet eingebaute Module zur Transformation von JSON, XML, CSV und HTML. Daten können innerhalb des Workflows geparst, umstrukturiert und in andere Formate konvertiert werden — ohne externe Tools. Für Unternehmen, die Daten zwischen Systemen mit unterschiedlichen Formaten synchronisieren (z.B. ERP-Export als CSV → CRM-Import als JSON), ist das ein enormer Produktivitätsvorteil.
Make rechnet in Operations ab — jede einzelne Aktion innerhalb eines Workflows zählt als eine Operation. Der kostenlose Plan beinhaltet 1.000 Operations/Monat. Der Core-Plan startet bei 10,59 $/Monat für 10.000 Operations. Das klingt nach viel, ist aber in der Praxis günstiger als Zapiers Task-basiertes Modell, weil Make-Operations feingranularer und damit vorhersagbarer sind.
Make bietet über 1.800 vorgefertigte App-Integrationen — deutlich weniger als Zapier, aber die wichtigsten Business-Tools sind abgedeckt: Google Workspace, Microsoft 365, Slack, Salesforce, HubSpot, Shopify, Stripe, Airtable und mehr. Wo native Integrationen fehlen, springt Makes HTTP/Webhook-Modul ein, mit dem sich jede REST-API ansprechen lässt. Für technische Teams ist das sogar flexibler als eine vorgefertigte Integration.
Zapier
Zapier ist der Marktführer unter den No-Code-Automatisierungsplattformen — und das aus gutem Grund. Keine andere Plattform bietet eine vergleichbare Kombination aus Einfachheit, Integrationsbreite und schneller Produktivität. Wo Make auf Tiefe setzt, setzt Zapier auf Geschwindigkeit und Zugänglichkeit.
Zapier folgt dem Prinzip: Trigger → Action → Done. Ein Zap besteht aus einem auslösenden Ereignis und einer Kette von Aktionen, die dadurch ausgeführt werden. Die Oberfläche ist intuitiv, die Einrichtung geführt, und die meisten Zaps sind in unter 10 Minuten produktiv. Für Marketing-Teams, HR-Abteilungen oder Vertriebsmitarbeiter ohne technischen Hintergrund ist Zapier die mit Abstand zugänglichste Automatisierungsplattform.
Zapiers Integrationsökosystem ist unerreicht. Über 7.000 Apps sind nativ angebunden — von den großen Playern (Salesforce, HubSpot, Google) bis zu Nischen-Tools, die bei keiner anderen Plattform zu finden sind. Gerade für Unternehmen, die spezialisierte Software einsetzen (branchenspezifische CRMs, Nischen-Buchhaltungstools, lokale Anbieter), bietet Zapier die höchste Wahrscheinlichkeit, dass eine fertige Integration existiert.
Zapier hat sich über reine Automatisierung hinaus entwickelt. Mit Zapier Tables erhalten Sie eine integrierte Datenbank direkt in der Plattform — ideal für Wartelisten, Inventar-Tracking oder Lead-Management. Zapier Interfaces ermöglicht es, einfache Web-Formulare und Dashboards ohne Code zu bauen. Damit wird Zapier von einem reinen Automatisierungstool zu einer leichtgewichtigen App-Plattform.
Zapier rechnet in Tasks ab — jede Ausführung eines Zaps zählt als ein Task, unabhängig davon, wie viele Schritte der Zap enthält. Der kostenlose Plan bietet 100 Tasks/Monat. Der Professional-Plan startet bei 29,99 $/Monat für 750 Tasks. Bei einfachen 2-Schritt-Zaps ist das fair, bei komplexen Multi-Step-Zaps wird es teuer — weil jede Ausführung gleich viel kostet, egal ob 2 oder 20 Schritte.
Zapier investiert stark in KI-Features. AI Actions ermöglicht es, KI-Modelle (GPT-4, Claude) direkt in Zaps einzubinden — für Texterstellung, Zusammenfassungen oder Datenextraktion. Der AI Chatbot Builder erstellt Chatbots, die Zapier-Automatisierungen auslösen können. Für Unternehmen, die KI in ihre Workflows integrieren wollen, bietet Zapier hier einen Vorsprung gegenüber Make.
Vergleich
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick. Die Bewertung basiert auf unserer praktischen Erfahrung aus hunderten Automatisierungsprojekten im DACH-Raum.
Preise
Preisvergleiche zwischen Make und Zapier sind tückisch, weil die Plattformen unterschiedliche Einheiten verwenden: Make zählt Operations (einzelne Aktionen), Zapier zählt Tasks (Workflow-Ausführungen). Um die Kosten fair vergleichbar zu machen, rechnen wir mit einem typischen Business-Workflow mit 5 Schritten — das entspricht einer gängigen Automatisierung wie "Neuer Lead → CRM-Eintrag → E-Mail-Sequenz → Slack-Benachrichtigung → Sheet-Update → Tag setzen".
Wichtiger Hinweis: Die tatsächlichen Kosten hängen stark von der Anzahl der Schritte pro Workflow ab. Bei einfachen 2-Schritt-Automatisierungen schrumpft der Preisunterschied deutlich. Bei komplexen 10-20-Schritt-Workflows vergrößert er sich massiv zugunsten von Make. Für eine individuelle Kostenanalyse Ihrer Automatisierungsprojekte beraten wir Sie gerne persönlich.
Empfehlung
Make ist nicht für jeden der richtige Fit — aber wenn Ihre Anforderungen zu den folgenden Szenarien passen, ist Make die klar überlegene Plattform.
Wenn Ihre Automatisierungen über einfache "Wenn X, dann Y"-Logik hinausgehen, spielt Make seine Stärken aus. Parallele Pfade, bedingte Verzweigungen, Schleifen über Datensätze und verschachtelte Logik — alles nativ unterstützt. Ein typisches Szenario: Eingehende Bestellungen werden je nach Produktkategorie, Lagerbestand und Kundentyp unterschiedlich verarbeitet. In Zapier bräuchten Sie dafür 3-4 separate Zaps, in Make ein einziges Szenario.
Wenn Sie Daten zwischen Systemen mit unterschiedlichen Formaten synchronisieren — CSV-Exporte aus dem ERP in JSON für die REST-API des CRM konvertieren, XML-Rechnungen parsen, oder Array-Operationen auf Datensätze anwenden — ist Make die einzige No-Code-Plattform, die das nativ kann. Zapier scheitert an diesen Anforderungen ohne Custom-Code-Steps.
Ab 1.000+ monatlichen Workflow-Ausführungen wird der Preisunterschied zwischen Make und Zapier spürbar — ab 5.000+ Ausführungen dramatisch. Wenn Ihre Automatisierung wächst und Volumen zunimmt, ist Make die wirtschaftlich sinnvollere Wahl. Besonders für Unternehmen, die Automatisierung als strategisches Tool einsetzen und nicht nur für einzelne Ad-hoc-Workflows.
Wenn Ihr Team über technisches Verständnis verfügt — ob interne IT, Entwickler oder technikaffine Operations-Manager — werden Sie Makes Möglichkeiten schätzen. HTTP-Module, Custom-Webhooks, GraphQL, JSON-Manipulation und die visuelle Darstellung komplexer Logik machen Make zum Werkzeug der Wahl für Teams, die Automatisierung ernst nehmen und nicht nur Oberfläche suchen.
Empfehlung
Zapier ist nicht deshalb Marktführer, weil es an Marketing investiert — sondern weil es für bestimmte Anwendungsfälle tatsächlich die bessere Plattform ist. In diesen Szenarien gewinnt Zapier.
Wenn Sie schnell Ergebnisse brauchen und Ihre Workflows linear sind — "Neues Formular → E-Mail senden → CRM aktualisieren" — ist Zapier nicht zu schlagen. Die geführte Einrichtung, die riesige Template-Bibliothek und die sofortige Produktivität machen Zapier zur besten Wahl, wenn Geschwindigkeit vor Tiefe geht. Ein typischer Zap ist in 5-10 Minuten live.
Wenn Sie Nischen-Software einsetzen, die keine offene API bietet, ist Zapier oft die einzige Option. 7.000+ Integrationen bedeuten: Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Tool direkt angebunden ist, liegt bei Zapier signifikant höher als bei Make. Besonders für branchenspezifische Tools (Immobilien-CRMs, Handwerker-Software, Spezial-Buchhaltung) hat Zapier oft als einzige Plattform eine native Integration.
Wenn Marketing, HR oder Vertrieb Automatisierungen selbst erstellen sollen — ohne IT-Abteilung im Rücken — ist Zapier die richtige Wahl. Die Lernkurve ist minimal, die Oberfläche selbsterklärend und das Risiko, Fehler zu bauen, gering. Zapier demokratisiert Automatisierung auf eine Weise, die Make (noch) nicht erreicht.
Zapiers Enterprise-Plan bietet Features, die für Konzerne und compliance-getriebene Organisationen relevant sind: SAML SSO, erweiterte Admin-Kontrollen, dediziertes Account-Management, 99.9% SLA und SOC 2 Type II Zertifizierung. Für Unternehmen, die strikte IT-Governance-Anforderungen erfüllen müssen, bietet Zapier das ausgereiftere Enterprise-Paket.
Jenseits der Plattformen
Make und Zapier sind hervorragende Tools für standardisierte Automatisierungen. Aber beide stoßen an Grenzen — und genau dort beginnt der Bereich, in dem individuelle Automatisierungslösungen die bessere Wahl sind. In unserer Erfahrung aus hunderten Prozessautomation-Projekten erreichen etwa 30 % der Unternehmen diesen Punkt innerhalb des ersten Jahres.
Komplexe Enterprise-Workflows: Wenn Ihre Automatisierung mehr als 50 Schritte umfasst, Daten aus 10+ Systemen synchronisiert und geschäftskritisch ist, wird jede No-Code-Plattform zum Nadelöhr. Latenz, Fehlerbehandlung und Debugging werden bei dieser Skalierung problematisch. Eine maßgeschneiderte Lösung — etwa auf Basis von n8n (Self-Hosted), Temporal oder individuellem Code — bietet volle Kontrolle und deutlich bessere Performance.
Datensouveränität: Weder Make noch Zapier geben Ihnen volle Kontrolle darüber, wo Ihre Daten verarbeitet werden. Für Unternehmen mit strengen Datenschutzanforderungen — medizinische Daten, Finanzdaten, Verschlusssachen — ist eine Self-Hosted-Lösung auf dedizierten deutschen Servern die einzige Option, die echte Datensouveränität garantiert.
Performance und Kosten bei hohem Volumen: Ab 50.000+ Workflow-Ausführungen pro Monat wird selbst Make teuer. Eine individuelle Lösung amortisiert sich in diesem Volumenbereich typischerweise innerhalb von 6-12 Monaten — und läuft danach zu einem Bruchteil der SaaS-Kosten. Die initiale Investition ist höher, aber der langfristige TCO deutlich niedriger.
Wir empfehlen häufig einen hybriden Ansatz: Starten Sie mit Make oder Zapier für schnelle Ergebnisse, identifizieren Sie die geschäftskritischen Workflows, und migrieren Sie diese schrittweise auf eine individuelle Lösung. So kombinieren Sie die Geschwindigkeit von No-Code mit der Leistungsfähigkeit maßgeschneiderter System-Integration.
Häufige Fragen